1. »Ästhetische Figurationen des Politischen im Zeitalter des ›Postnationalen‹«

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1.1 Forschungsstand

Die Forschung »Ästhetischer Figurationen« des Politischen ist ein zentrales Forschungsfeld im Bereich der Kulturwissenschaften der letzten zehn Jahre. Der methodische Zugriff ist dabei – wie generell in der kulturwissenschaftlichen Forschung – sehr heterogen, entsprechend ist es nicht leicht, einen eindeutigen und allgemein anerkannten »state of the art« zu benennen. Dennoch lassen sich einige Hauptlinien der gegenwärtigen Forschung beschreiben, an die das hier skizzierte Forschungsprogramm zu den »Ästhetischen Figurationen des Politischen anschließen wird.

An erster Stelle müssen hier solche Arbeiten genannt werden, welche nach der Bedeutung des Imaginären sowie des Ästhetischen für die Konstitution politisch-sozialer Einheit fragen. Eine wichtige Anregung in diesem Feld liefern die Studien Benedict Andersons, insbesondere seine vielzitierte Arbeit »Imagined Communities«.

Wichtige Forschungen setzen hier etwa aus soziologischer Perspektive an. Als bedeutsamer Teil dieser Forschungsrichtung sei Peter Fuchs’ Studie zur »Erreichbarkeit der Gesellschaft« (Fuchs 1992) genannt, die mit einem systemtheoretischen Ansatz operiert. Eine systemtheoretische Explikation nationaler Imaginationen ist deshalb grundsätzlich spannungsreich, insofern das systemtheoretische Theoriedesign eine eindeutige Präferenz für eine weltweite Homogenisierung der sozialen Ordnung beinhaltet – Niklas Luhmann hat hierfür den Begriff der »Weltgesellschaft« geprägt (Luhmann 1971). Im Rahmen dieses theoretischen Modells arbeitet Fuchs die Funktionalität von Einheitssemantiken für die soziale Organisation heraus. Soziale Einheit wird hier nicht als Grundlage der Gesellschaft vorausgesetzt, sondern als das kommunikative Ergebnis sozialer Prozesse verstanden. Fuchs gelingt es dabei, die signifikante Steigerung der Emphase sozialer und/oder nationaler Identität in der Moderne theoretisch zu reformulieren: »Einheitssemantiken […] entwickeln sich unter den Bedingungen funktional differenzierter Gesellschaften als Reaktion auf die kommunikativen Turbulenzen, die sich aus dem Verlust einer konkurrenzfreien repraesentatio identitatis ergeben« (Fuchs 1992: 100).

Einen wichtigen Forschungsbeitrag aus soziologischer Perspektive liefert auch die sogenannte »Interdiskursanalyse« (vgl. Amann 2008, Parr 2008a, Parr 2008b). Diese Forschungsrichtung untersucht primär diskursive und interdiskursive Bildlichkeiten und gewinnt dadurch auch Perspektiven auf imaginäre Dimensionen des Sozialen. Das an der UL angesiedelte Forschungsprogramm »Kulturelle Globalisierung. Kollektivsymboliken in wissenschaftlichen und medialen Globalisierungsdiskursen« wird insofern eng mit dem Forschungsprojekt zu den »Ästhetischen Figurationen des Politischen« kooperieren können.

Das Forschungsprogramm wird an diese soziologischen Forschungsdiskurse anschließen können, indem die Reichweite dieser diskursiven (oder interdiskursiven) »Einheitssemantiken« interdisziplinär, d.h. mit einer stärkeren Fokussierung auf ästhetische Konstruktionen dieser Semantiken, erforscht wird.

Auch aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive gibt es wichtige aktuelle Forschungsbeiträge. Während die zuvor genannte soziologische Forschung von gesellschaftlichen Diskursen her nach der funktionalen Notwendigkeit bzw. den Semantiken nationaler Einheit fragt, untersucht diese Forschungslinie die in literarischen bzw. ästhetischen Werken entwickelten »Einheitssemantiken«. Zu nennen wäre hier beispielsweise Niels Werbers Studie zur »Geopolitik der Literatur« (Werber 2007). Die leitende These Werbers ist, dass »das geopolitische Denken des 20. und 21. Jahrhunderts den Fluchtlinien einer literarischen Semantik folgt, die im 19. Jahrhundert entsteht« (Werber 2007: 36). Diese These belegt Werber mit innovativen Lektüren literarischer Texte etwa von Heinrich von Kleist, Herman Melville, Gustav Freytag und J.R.R. Tolkien. Werbers Arbeit stellt für das Forschungsprogramm »Ästhetische Figuren des Politischen« eine bedeutende Anregung dar: Zu fragen wäre im Anschluss an Werber vor allem nach der Geschichte der »geopolitischen« literarischen Perspektiven nach dem von Werber untersuchten Zeitraum, d.h. vor allem für den Zeitraum nach 1950.

Eine ganze Reihe von Arbeiten schließt eng an Bendict Andersons Theoriemodell der »imagined communities« an (z.B. Moretti 1999; Foster 2002; Christians 2004: 53-88, Christians 2006; Kohns 2010). Da es sich hier um einen der vielversprechendsten Ansätze zur Erforschung der Verbindung zwischen Ästhetik und Politik handelt, wird das Forschungsprojekt hier unmittelbar anschließen. Angestrebt wird dabei vor allem eine methodisch und inhaltliche Systematisierung und konzentrierte Fokussierung auf die Untersuchung der ästhetischen Figurationen des Politischen in der gegenwärtigen europäischen Kultur.

Das Forschungsprojekt zielt demgemäß auf eine systematische, konsequent interdisziplinäre Synthese der sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven, wobei die Untersuchungsmethodik und das Untersuchungsfeld klar der kulturwissenschaftlichen Linie folgen wird. In der gegenwärtigen Forschungssituation ist eine derartige Synthese konzentriert nur von einer Forschungsgruppe angestrebt worden, an deren Arbeiten und Ergebnisse das Forschungsprogramm dezidiert anschließt: die interdisziplinäre Forschungsgruppe »Poetologie der Körperschaften«, die von 2000 bis 2006 am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin bestand. Diese Forschungsgruppe hat eine Reihe von Publikationen hervorgebracht, die auch für das Forschungsprojekt »Ästhetische Figurationen« höchst relevant und inspirierend sind (Hebekus/Koschorke/Matala 2003, Koschorke 2004, Koschorke/Lüdemann/Frank/Matala de Mazza 2002, Koschorke/Lüdemann/Frank/Matala de Mazza 2007, Lüdemann 2004, Lüdemann 2005, Matala de Mazza 1999, Matala de Mazza 2004). Der methodische Ansatz der Forschungsgruppe »Poetologie der Körperschaften« bestand darin, die Arbeiten Kantorowicz’ zur politischen Theologie für eine ikonographische, literatur- und kulturwissenschaftliche Erforschung des politischen Imaginären in der Moderne fruchtbar zu machen. Ansatzpunkt der Arbeiten von Koschorke, Lüdemann, Frank und Matala de Mazza ist die auch für unser Forschungsprojekt relevante Überlegung, dass die staatliche Organisation in Europa stets über Metaphoriken der Körperschaft nicht nur veranschaulicht worden sind, sondern durch diese Bildlichkeit überhaupt begreifbar und vorstellbar und in diesem Prozess zuallererst realisierbar wurden. Der historische Schwerpunkt der Arbeiten aus dieser Forschungsgruppe liegt auf dem Zeitraum zwischen der Frühen Neuzeit und dem 19. Jahrhundert, weshalb unser Forschungsprojekt »Ästhetische Figurationen« sich sowohl methodisch als auch historisch problemlos an die Vorarbeiten aus Berlin anschließen kann.

Die Bedeutung der Körpermetaphorik für die politischen Imaginationen der Gegenwart wird aus der Perspektive der Forschungsgruppe »Poetologie der Körperschaften« allerdings skeptisch eingeschätzt. Das »Netzwerk« erscheine vielmehr »geeignet, zur Leitmetapher eines zukünftigen post-korporalistischen Denkens zu werden« (Koschorke/Lüdemann/Frank/Matala de Mazza 2007: 385). Diese These – quasi als Ausblick an den Abschluss der Untersuchung »Der fiktive Staat« platziert – bedarf noch weiterer Diskussion und Analyse. Die Ablösung der absolutistisch assoziierte Körperschaftsmetaphorik durch die Netzwerkmetaphorik klingt zunächst plausibel (z.B. Internet als Leitmedium der Gegenwart). Allerdings hat Philip Manow mit »Im Schatten des Königs« (Manow 2008) zuletzt eine Studie veröffentlicht, die dezidiert die Bedeutung der Körperschaftsmetaphorik für die politische Vorstellungswelt der Gegenwart herausarbeitet. Manow gelingt dies am Beispiel der Sitzordnungen in den europäischen Parlamenten der Gegenwart, die auf vormoderne imaginäre Strukturen des Politischen zurückverweisen. Ulrich Halterns Studie über die Repräsentationspolitik des aktuellen US-Präsidenten Barack Obama (Haltern 2009) gelingt es gleichfalls, eine Kontinuität zwischen den korporalistischen Herrschaftsmythen der absolutistischen Zeit zur demokratischen Epoche der Gegenwart aufzuzeigen. Hier muss die weitere Forschung durch die Forschungsgruppe »Ästhetische Figurationen« ansetzen und – mit einer stärkeren Konzentration auf literarische Texte – anschließen.

Von besonderem Interesse für das Forschungsprojekt sind auch Arbeiten, die sich aus kunsthistorischer und -wissenschaftlicher Perspektive mit der Frage der Ästhetik des Politischen auseinandersetzen. Hier sind insbesondere die Arbeiten Horst Bredekamps zur ikonographischen Gestaltung von Hobbes’ »Leviathan« zu nennen (Bredekamp 2001, Bredekamp 2006), in denen auch die Bedeutung dieser Ikonographie noch für die politische Ästhetik der Gegenwart herausgearbeitet wird. Ulrich Halterns Studie über Barack Obamas visuelle Politik (Haltern 2009) kann als eine Verlängerung dieser Perspektive in die Gegenwart interpretiert werden. Ein Anschluss dieser ikongraphischen und bildtheoretischen Studien an die – primär aus den Literaturwissenschaften bestrittenen – Theorien politischer Imagination (vor allem derjenigen Andersons) ist bisher noch nicht geleistet worden: Diese Arbeit ist eine der spannendsten Aufgaben des Forschungsprojekts.

1.2 Ziele des Projekts

Das Forschungsprojekt »Ästhetische Figurationen des Politischen« wird sich in die kulturwissenschaftliche Analyse politischer Symboliken und Imaginationen einschreiben, eine eigene methodologische Position entwickeln und inhaltlich neue Fokussierungen herausarbeiten.

Ein wesentliches Ziel des Forschungsprojekts ist demnach, einen entscheidenden Beitrag zur methodischen Diskussion in den Kulturwissenschaften zu leisten. Die Frage der Verbindung politischer Analysen und spezifischer kulturwissenschaftlicher Fragen der Repräsentation, des Imaginären etc. ist von höchster Relevanz für die kulturwissenschaftliche Forschung, aber die methodischen Ansätze sind äußerst heterogen. Das Forschungsprojekt will hier einen entscheidenden Fortschritt erzielen, indem die kulturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten der letzten Jahre methodisch systematisiert und inhaltlich weiterverfolgt werden.

Das Forschungsprogramm untersucht systematische Verknüpfungen zwischen der Sphäre des Ästhetischen und der des Politischen in der europäischen Kultur der Gegenwart. Eine zentrale Hypothese dabei ist, dass ästhetische Werke jeglicher Art – Literatur, Gemälde, Filme – nicht erst dann politisch sind, wenn sie das politische Akte im engeren Sinn dokumentieren oder repräsentieren. Diese Annahme würde noch, wie mit Jacques Rancière gesagt werden kann, der Idee einer repräsentativen Beziehung zwischen künstlerischer und politischer Praxis folgen (vgl. Rancière 2000/2008). In Übereinstimmung mit zahlreichen neueren kulturwissenschaftlichen Forschungsansätzen geht das Forschungsprojekt davon aus, dass das Politische sich grundsätzlich durch Modi der Repräsentation, Darstellung und Imagination konstituiert und deshalb eine basale Affinität zum Ästhetischen aufweist. Das Politische ist grundsätzlich figurativ und ist daher in sich ästhetisch gestaltet. Ästhetische Werke stellen das Politische daher nicht einfach dar – oder bilden eine »Repräsentation« davon ab –, sondern sie leisten eine hochkomplexe und aufschlussreiche Reflexion der Konstitution des Politischen. Die spezifische Kompetenz kulturwissenschaftlicher Forschung, ästhetische Werke zu analysieren, hat daher hier eine eminente Bedeutung für das Verständnis politischer Prozesse und Dynamiken in der europäischen Kultur der Gegenwart. Das Forschungsprogramm möchte zu diesem Verständnis einen Beitrag leisten, indem es ästhetische Figurationen des Politischen in der Gegenwart untersucht.

Eine weitere leitende Hypothese unseres Forschungsprogramms besagt, dass die ästhetischen Figurationen des Politischen in der Gegenwart weiterhin wesentlich durch korporalistisch gestaltete, national codierte Gestaltungen bestimmt sind. Diese Gestaltungen, primär in der europäischen Literatur seit 1950 – aber auch in Gemälden, Filmen und anderen Künsten und Medien – wird das Forschungsprogramm analysieren.

Die Fokussierung auf den Zeitraum seit 1950 erfolgt aus verschiedenen Gründen: erstens gibt es bereits zahlreiche Studien zur politischen Ästhetik des 18. und 19. Jahrhunderts; zweitens aber ist dieser Zeitraum besonders relevant für das Verständnis der gegenwärtigen politischen Situation. Drittens aber stellt dieser Zeitraum eine besondere inhaltliche Herausforderung für Untersuchungen ästhetischer Figurationen des Politischen dar, insofern die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von zahlreichen Beobachtern als eine Epoche der Auflösung nationaler politischer Organisation darstellt, einer ökonomischen, politischen und sozialen »Globalisierung« (vgl. etwa Albrow 1996/2007). Die Epoche seit 1950 gilt als »postnational«, und Erforschungen der ästhetischen Figurationen des Politischen in dieser Zeit sind zugleich Desiderat wie Herausforderung.

Neben anderen Künsten und Medien wird ein Schwerpunkt der Forschungsarbeit auf literarischen Werken liegen, weil sich diese durch ein außergewöhnliches Potential der Reflexion und Autoreflexion auszeichnen. Dabei soll es ausdrücklich nicht in erster Linie um Texte gehen, die ausdrücklich politische »Themen« verfolgen (entsprechend der Annahme, dass Politik nicht einfach in ästhetischen Texten »repräsentiert« wird). Die Möglichkeiten literarischer Texte, ästhetische Figurationen des Politischen zu entwerfen, sind vielfältig: Untersuchungsgegenstände werden z.B. Romane sein, die Verschwörungsszenarien entwerfen und das Politische dadurch als ein dramatisches Bühnengeschehen imaginierbar machen (vgl. Hahn 2008, Horn 2007). Es werden auch Texte behandelt über Reisende, die Gesellschaften als politische Körper wahrnehmen, eine z.B. für Peter Handkes Romane typische Konstellation (vgl. Kohns 2010). Ein weiteres Thema, das im Anschluss an Benedict Anderson thematisiert werden wird, betrifft den Zusammenhang zwischen modernen narrativen Konstruktionen und der Imagination nationaler Identität.

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2. Methodik und theoretische Zugänge

2.1. Entwicklung der Fragestellung

Ausgangspunkt zahlreicher kulturwissenschaftlicher Analysen des Politischen ist die Annahme, dass die Organisation des politischen Lebens nicht erst durch staatliche Institutionen, sondern primär durch kollektive Imaginationen sowie ästhetische Inszenierungen hervorgebracht werden. Insofern ergibt sich die Relevanz kulturwissenschaftlicher Analysen politischer Imaginationen und Ästhetiken aus der Frage nach der Einheit des Sozialen. Diese Einheit ist – da sie als solche a priori niemals sichtbar sein kann – das Ergebnis imaginärer und ästhetischer Verfahren: Politik ist per se symbolisch (vgl. Ellrich/Maye/Meteling 2009: 78; Lacoue-Labarthe 2009: 174). Diese Einsicht ist nicht neu, sondern findet sich bereits in Hobbes’ »Leviathan« (1651) formuliert, wo die Möglichkeit der Visualisierung politischer Einheit als die zentrale Gründungsfigur souveräner Machtausübung inszeniert wird (vgl. Därmann 2009: 86). In diesem Kontext hat die ästhetische Sichtbarkeit politischer Macht nicht nur die Funktion von Repräsentation, sondern zuallererst die der Generierung und Ermöglichung des Politischen. Die kulturwissenschaftliche Erforschung politischer Symbole und Ästhetiken zielt demgemäß auf eine transzendentale Perspektive, d.h. auf die grundlegenden Möglichkeitsbedingungen politischer Diskurse und bietet eine notwendige Ergänzung zu den Ansätzen der politischen Philosophie und Politologie. Indem das Feld politischer Analysen auf ästhetische Kategorien und Werke ausgedehnt und mit textwissenschaftlicher Kompetenz bearbeitet wird, verbindet der kulturwissenschaftliche Ansatz philologische und sozialwissenschaftliche Fragestellungen (vgl. Lüdemann 2004:10).

Dieser methodische Ansatz ist weitgehend innovativ: Ein bereitstehendes methodisches Repertoire gibt es für Untersuchungen dieser Art (noch) nicht. Allerdings stellt das – im folgenden noch zu diskutierende – Œuvre einiger Kulturwissenschaftler theoretische Positionen bereit, an die angeschlossen werden kann. Aufgrund der Neuartigkeit der diskutierten Fragen wird es eine dringende Aufgabe des Forschungsprojekts sein, ein spezifisches methodisches Design aus kulturwissenschaftlichen Ansätzen weiter zu entwickeln, mit dem die Analyse der ästhetischen Figurationen des Politischen zufriedenstellend geleistet werden kann.

Der methodische Ansatz der Forschungsprojekts »Ästhetische Figurationen des Politischen in der Ära des ›Postnationalen‹ / Aesthetical Figurations of the Political in the ›postnational Age‹« (ÄPO) soll vor allem an die Arbeiten von drei bedeutenden Kulturwissenschaftler anschließen: Ernst Kantorowicz, Pierre Legendre sowie Benedict Anderson.

2.2. Methodische Anschlüsse (I): Kantorowicz

Ernst Kantorowicz’ Studie »The King’s Two Bodies« geht von einem zentralen Prinzip der politischen Theologie des Mittelalters aus: »dignitas non moritur« – die Würde stirbt nicht (Kantorowicz 1957/1992: 390). Dieser Satz wurde primär als eine Aussage über die Überzeitlichkeit kirchlicher oder staatlicher Institutionen verstanden, aber Kantorowicz interpretiert ihn umfassender. Die »dignitas« wird, so Kantorowicz, im späten Mittelalter zum Ausgangspunkt einer dem Souverän zugeschriebenen »persona idealis« (vgl. Kantorowicz 1957/1992: 403): Sie wird zum zweiten Körper des Königs und damit zum Ausgangspunkt der Fiktion des Politischen (vgl. Boureau 1990/1992: 130). Der für Kantorowicz’ Analyse zentrale Dualismus von natürlichem Körper (body natural) und politischem Körper (body politic) hat seinen Ursprung in der allegorischen Verkörperung der dignitas durch die Figur des Souveräns. Der figurative Hintergrund für das allegorische Modell der zwei Körper ist das christliche Ritual der Eucharistie (vgl. Kriegel 1998). Kantorowicz’ Analyse der »King’s Two Bodies« führt zu zwei weitreichenden Schlußfolgerungen. Erstens unterstützt Kantorowicz die von Carl Schmitt dargestellte These, dass die zentralen Begriffe der modernen politischen Theorie aus theologischen Konzepten abgeleitet sind (vgl. Schmitt 1922/1996). Die »politische Theologie« markiert in Kantorowicz’ Beschreibung zweitens den Umstand, dass die politische Ordnung nicht ohne fiktionale Elemente gedacht werden kann (vgl. Boureau 1990/1992: 140f.). Louis Marin radikalisiert diesen Gedanken in seiner Analyse der Repräsentationspolitik des »Sonnenkönigs« Louis XIV. dahingehend, dass die artifizielle Präsenz des Monarchen die eigentliche Ausübung seiner Souveränität darstelle (vgl. Marin 1981/2005: 15).

Kantorowicz’ Analysen werfen zentrale Fragen auf, die im Laufe des Forschungsprojekts bearbeitet werden müssen. Die wichtigste Frage ist die nach der historischen Beschränktheit des Konzepts der »two bodies« bzw. ihrer Auswirkung über das Spätmittelalter und die absolutistischen Staatstheorien hinaus, auf welche Kantorowicz sich fokussiert hatte. Kantorowicz legt eine Perspektive auf ein historisches Ende des Paradigmas der »zwei Körper« nahe: Seine Ausführungen über Shakespeares »Richard II.« (1597) verweisen darauf, dass hier das Ende der zweifachen Sicht auf den Körper des Königs inszeniert würde (Kantorowicz 1957/1992: 51). Dieser Perspektive auf die historische Gebundenheit der »Zwei-Körper-Lehre« an die mittelalterliche politische Theologie steht etwa die Interpretation derselben durch Pierre Legendre entgegen, der Kantorowicz’ Theorie als Beitrag zum Verständnis der anthropologischen Grundlagen des Politischen versteht. Die Bedeutung der Formel »dignitas non moritur«, so Legendre, spreche »die anthropologische Wahrheit der Fundamente der europäischen Moderne« aus (Legendre 1992: 113f.). Es stellt sich die Frage, inwiefern Kantorowicz’ Theorie auch die Konstitution post-absolutistischer, demokratischer Staaten der Moderne beschreiben kann.

Eine weitere im Forschungsdiskurs formulierte Frage betrifft den Status der Kunst – insbesondere der Literatur – für Kantorowicz’ Ansatz: Hier bleibt das Verhältnis zwischen den ästhetischen Fiktionen des Staates und den auch in Kantorowicz’ Text diskutierten literarischen Fiktionen zunächst unklar. Allerdings reicht die Bedeutung dieser Frage weit über Kantorowicz’ Werk hinaus, eröffnet sich hier doch die Frage nach der Relation zwischen staatlich inszenierten und literarischen Fiktionen, zwischen dem Herrscher als »Staatskünstler« (Raulff 2009: 333) und dem literarischen Autor, der – wie Shakespeare in seinen Königsdramen – den Souverän zur tragischen Figur in einer ihm entgleitenden Inszenierung macht. Shakespeares »Richard II.« steht so gesehen nicht für den Abschluss einer historischen Entwicklung, sondern vielmehr für eine andauernde Spannung zwischen verschiedenen Formen »ästhetischer Regime« (Därmann 2009: 30).

2.3. Methodische Anschlüsse (II): Legendre

Der rechtshistorisch, anthropologisch und psychoanalytisch argumentierende Ansatz Pierre Legendres schließt an die Analysen Kantorowicz’ an. In seinem Aufsatz über Kantorowicz beschreibt Legendre die Notwendigkeit, die von Kantorowicz beschriebene Fiktionalisierung des Politischen anthropologisch zu interpretieren. Es gehe, so Legendre, um die Notwendigkeit der »Inszenierung eines Gesellschafts-Dritten«, um »das Kausalitätsprinzip zu inszenieren und vor allem die Vernunft als Ursprung der Gesetze zur Sprache zu bringen« (Legendre 1992: 111f.). Die politischen Systeme der Moderne sind für Legendre »genealogische Fiktionen« (Legendre 1999: 24): Sie inszenieren keine biologischen, sondern mythische und fiktionale Verhältnisse der Verwandtschaft und Gemeinschaft zwischen Menschen und stiften so einen Sinn, eine Vernunft, durch die juristische Systeme legitimiert und begründet werden können. Der Staat ist für Legendre eine »genealogische Fiktion«, insofern er notwendigerweise die Fiktion einer Gründung (seiner Institutionen) durch eine mythische Vaterfigur inszenieren muss, durch welche sich seine Gesetze ableiten lassen (vgl. Pornschlegel/Thüring 1998: 183f.).

Dass die von Legendre beschriebenen »genealogischen Fiktionen« – in verschiedenen Formen der Transformation – auch in der gegenwärtigen Kultur wirksam bleiben, konnten verschiedene kulturwissenschaftliche Studien im Anschluss an Legendre zeigen (vgl. Mein 2010). In Legendres Ansatz bewusst unklar verbleibt die Frage – die, positiv gewendet, die hohe Anschlussfähigkeit der Theorie hervorbringt –, auf welcher Ebene gesellschaftlicher Diskurse oder individueller Imaginationen die »genealogischen Fiktionen« des Staates wirksam werden können. Eine weitere im Verlauf des Forschungsprojekts zu diskutierende Frage betrifft die implizit sowohl bei Kantorowicz als auch bei Legendre wirksame gender-Codierung der politischen Symbolik: Inwieweit ist es selbstverständlich, dass die »genealogischen Fiktionen« des Staates auf einer Vaterfigur beruht? Ob und warum der Staatskörper stets als männlicher Körper gedacht werden muss (vgl. Matala de Mazza 2004, Koschorke/Lüdemann/Frank/Matala de Mazza 2007: 37), bedarf noch weiterer Forschung und Diskussion im Anschluss an neuere kulturwissenschaftliche gender-Forschungen.

2.4. Methodische Anschlüsse (III): Anderson

Die Frage der Vermittlung zwischen der Imagination nationaler Einheit und der individuellen Phantasie einzelner steht im Zentrum der Theorie Benedict Andersons. Anderson interpretiert »Nationen« radikal als imaginäre Konstruktionen, als »imagined communities« (Anderson 1983/1998: 15). Die Möglichkeit für die Entstehung dieses »imaginären« Konstrukts der Nation in der Moderne verbindet Anderson mit der Genese des modernen Romans und der Verbreitung der Zeitung im 18. Jahrhundert (Anderson 1983/1998: 29). Durch die Generierung einer neuen Zeitvorstellung bringen die Medien Roman und Zeitung, so Anderson, die Möglichkeit einer Imagination von Gemeinschaftlichkeit hervor. Eine Nation, so kann gefolgert werden, ist das imaginäre Produkt eines Kollektivs, das sich einen einheitlichen Körper erträumt. Der theoretische Ansatz Andersons nimmt marxistische Grundideen auf (vgl. Redfield 2003: 80), die allerdings medientheoretisch umformuliert und dadurch literaturhistorisch applikabel werden – und schließt zugleich an Vorgaben von McLuhans Medientheorie an. Tatsächlich hat Andersons Theoriemodell der »Imagined Communities« die kulturwissenschaftliche Analyse der Konstruktion von »Nationen« seit den 1990er Jahren entscheidend inspiriert (vgl. Moretti 1999; Foster 2002; Christians 2004: 53-88; Kohns 2010).

Andersons Modell kommt, im entscheidenden Unterschied zu Kantorowicz’ Ansatz, ohne die zentrale Figur eines Souveräns aus, der in seiner Person die Einheit der Nation verkörpert. Diese Differenz kann durch den jeweiligen historischen Beobachtungszeitraum erklärt werden: Anderson beschreibt die Genese des modernen Nationalismus seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, der nicht zufällig mit der Entwicklung der Idee der Volkssouveränität zusammenfiel: Die Verkörperung staatlicher Einheit ist seitdem nicht mehr die Figuration eines Monarchen, sondern die eines organischen Volkskörpers. Einen »zweiten«, politisch verfassten Körper besitzt in diesem Moment nicht mehr allein der Herrscher, sondern jeder einzelne Bürger (vgl. Kohns 2008a). Wie Michael Mann herausgearbeitet hat, verbindet sich die Imagination der Nation als organischer Körper notwendig mit dem Wunsch nach ethnischer Einheit und Reinheit (Mann 2005: 55). Es stellt sich jedoch die Frage, ob das Begehren ethnischer Identität eine notwendige Folge der modernen Konstruktion von Nationen ist. So kann die Frage aufgeworfen werden, ob sich nationale Imaginationen beschreiben lassen, die einen nicht organisch komponierten, sondern in sich differenzierten nationalen Körper entwerfen. Die »politische Ästhetik« mehrsprachiger Nationen wäre ein noch weiter zu untersuchendes Forschungsfeld (vgl. Sommer 2003).

Eine weitere zu klärende Frage ist die nach der Verbindung zwischen der text- bzw. diskursanalytisch zu untersuchenden Ebene der »Imaginationen« und der Ebene des kollektiven Bewusstseins einer »Gemeinschaft«. Anderson kann den Übergang zwischen literarischen Fiktionen und der Entstehung solcher »Communities« nicht erklären. Die empirische – d.h. statistische – Auswertung von Lektüren ist für eine historische Untersuchung unzugänglich, auch wird die empirische Leseforschung inzwischen als eine methodische Sackgasse bewertet. Die weitere Forschung sollte sich daher auf die – implizit bei Anderson vorausgesetzte – Rolle politischer Emotionen konzentrieren. Der Übergang zwischen ästhetischen Werken zu einer emotionalen Reaktion eines Lesers/Zuschauers  I  ist ein zentrales Thema der Ästhetik und Poetik seit der Antike, und politische Emotionen sind auch in der Gegenwart ein zentrales kulturwissenschaftliches Forschungsthema. Insbesondere die visuellen und textlichen Evokationen von Angst und Mitleid – zwei traditionsreiche politische Emotionen – müssen weiter untersucht werden (vgl. Esposito 1998/2004, Meyler 2000, Salecl 2004, Kahn/Saccamano/Coli 2006, Breithaupt 2009, Harbsmeier/Möckel 2009).

2.5. Entwicklung einer kulturwissenschaftlichen Perspektive

Der Vergleich zwischen den theoretischen Ansätzen Kantorowicz’, Legendres und Andersons belegt zunächst die – in Geisteswissenschaften generell festzustellende – Unmöglichkeit, methodische Ansätze unabhängig von den behandelten thematischen Feldern zu betrachten. Anderson weitet die Bedeutung von Kantorowicz’ Zwei-Körper-Lehre auf die Gesamtheit der Nation und des Volks aus, zugleich untersucht er nicht mehr die intentional gesteuerte Ästhetik staatliche Repräsentation, sondern fragt nach den imaginären Effekten, die durch die Massenmedien Roman und Zeitung hervorgebracht werden. Diese Differenz ist methodischer Art, aber zugleich beschreibt sie auch einen historischen Wandel politischer Repräsentation zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert.

Diese methodischen Fragen stellen sich in erhöhter Komplexität, sobald es um die politische Situation des 20. und 21. Jahrhunderts geht. Nicht wenige sozial- und politikwissenschaftliche Ansätze beschreiben ein Auseinandertreiben von politischer Repräsentation und a-repräsentativer Real- bzw. Verwaltungspolitik (Foucault 1999: 151, Foucault 1988/1994). Dieser Konflikt zwischen der repräsentativen Logik politischer Dezision und der Rationalität realpolitischen Wissens wird immer wieder als ein »Verschwinden der Politik« (Fach 2008) interpretiert. Die Vorstellung, dass die Macht in der politischen Situation des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts strukturell durch nicht mehr repräsentative, anonyme Strukturen ausgeübt wird, wird unterstützt durch den Diskurs der Globalisierung (vgl. etwa Bauman 2003: 217, Stichweh 2000: 24). Die einflussreichste theoretische Ausformulierung dieses Gedankens bieten Michael Hardt und Antonio Negri in dem Buch »Empire« (Hardt/Negri 2000/2003: 336, vgl. kritisch zu Hardt/Negri auch Mein 2008).

Während die These einer »Egalisierung« des Nationalen und des Politischen vornehmlich aus sozialwissenschaftlicher Perspektive vorgebracht wird, betonen kulturwissenschaftliche Untersuchungen die andauernde Wirkung nationaler Imaginationen auch in einer »Ära des Postnationalen«. Renata Salecl verweist etwa auf die Kriege im auseinanderbrechenden Jugoslawien der 1990er Jahre, die auf die anhaltende Wirkung nationaler Phantasmen und Energien hinweisen (Salecl 1993). Die Balkankriege des ausgehenden 20. Jahrhunderts erscheinen in dieser Perspektive nicht – wie es gelegentlich suggeriert wird – als ein roher Atavismus unerklärlicher Gewalt, sondern als eine Folge einer konfliktreichen »Re-Nationalisierung« eines in der kommunistischen Ära übernational diskursivierten Raums (vgl. auch Balibar 2004).

Wie Balibar betont, ist das angemessene Verständnis »renationalisierender« Tendenzen in Europa alles andere als eine bloß historische oder akademische Frage. Sie bestimmt vielmehr die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Suche nach einer europäischen Identität, die sich zweifellos im Spannungsfeld zwischen »Postnationalismus« und anhaltenden nationaler Imaginationen bewegt. »Either Europe will recognize in the Balkan situation not a monstrosity grafted to its breast, a pathological ›aftereffect‹ of underdevelopment or of communism, but rather an image and effect of its own history [...]. Only then will Europe propably begin to become possible again« (Balibar 2004: 6).

In diesem Sinn will das Forschungsprojekt nach der Möglichkeit Europas fragen. Dabei soll – den theoretischen Anregungen Kantorowicz’, Legendres und Andersons folgend – die Fiktionalität (oder »Ästhetik«) des Politischen dezidiert nicht als eine lediglich zu kritisierende oder gar zu überwindende Größe im politischen Diskurs betrachtet werden. Theoretische Modelle, die von einem fiktionalen Anteil (und einer »eigentlichen« Substanz) des Politischen ausgehen, sind daher aus medienkulturwissenschaftlicher Sicht kritisiert worden (Ellrich/Maye/Meteling 2009: 78). Im Gegensatz zu rein sozialwissenschaftlichen Ansätzen, die einen begrenzten Begriff des »Politischen« voraussetzen, soll die spezifisch kulturwissenschaftliche Kompetenz genutzt werden, Diskurse »übergreifend« zu analysieren.

2.6. Untersuchungsmaterial und methodischer Problemhorizont

Die These des Forschungsprojekts ist, dass die von Kantorowicz, Legendre und Anderson analysierten Strukturen der politischen Repräsentation unter veränderten Umständen noch für das Verständnis der politischen Diskurse der Gegenwart notwendig sind. Eine für den methodischen Ansatz entscheidende Frage ist dabei die nach der Bestimmung des »politischen Diskurses«: Andersons Untersuchung ergibt, dass gerade populäre Fiktionen – z.B. Romane – ein hervorragender Ort zur Darstellung politischer Imaginationen sind. In analoger Weise fragt Legendre: »Warum hat noch nie jemand eine Gesellschaft gesehen, die sich ohne Musik, ohne Embleme und Zeremonien regieren lässt und warum wird dies auch in Zukunft nie geschehen?« (Legendre 2010: 59) Es ist eben diese Fragestellung, die auch die Untersuchung der »Ästhetischen Figurationen des Politischen in der Ära des ›Postnationalen‹« leitet.

Neben der präzisen Klärung der theoretischen Hintergründe von Kantorowicz bis Foucault soll die Auslotung der zu analysierenden Objekte – Diskurse, Texte, Fiktionen, Filme etc. – einen ersten Schwerpunkt der Projektarbeit darstellen. Methodischer Ausgangspunkt ist die Annahme, dass grundsätzlich alle Arten von fiktionalen Konstruktionen politische Imaginationen hervorbringen können – und dass diese politischen Imaginationen immer eine Tendenz zur agonalen, national konnotierten Anlage kollektiver Körper haben. Dabei muss der Begriff der »Fiktion« ausgeweitet werden auf all jene kulturellen Produktionen, die Imaginationen beherbergen und hervorbringen. In seiner Studie über die Entstehung der imaginären Nation Papua-Neuguinea – die als Staat erst seit 1975 existiert – hat Foster beschrieben, dass ausgerechnet die Werbestrategien multinationaler Konzerne visuelle Gestaltungen eine neuguinesische Identität hervorgebracht haben (Foster 2002). In Bezug auf westliche Gesellschaften lässt sich der Diskurs über Naturkatastrophen und Seuchen als ein Nährboden für politische Imaginationen beschreiben (vgl. Davis 2005). Populäre Fiktionen über die Bedrohung durch Terrorismus entwerfen die »westliche« Gesellschaft jenseits ihrer Nationengrenzen als einen kollektiven Körper, der sich gegen eine von außen (etwa aus Osteuropa oder Asien) kommende Bedrohung immunisieren muss. Der »Kulturkonflikt« zwischen Islam und Christentum erscheint in dieser Perspektive gewissermaßen als ein Epiphänomen politischer Imaginationen, als Ergebnis jener Dispositive, deren Mechanismen und mediale Strategien das Forschungsprojekt erforschen wird. Der Zusammenhang zwischen kapitalistischen Techniken der Imagebildung, kollektiven Ängsten und der Herausbildung politischer Imaginationen muss noch weitergehender erforscht werden (vgl. Salecl 2004).

Hervorzuheben ist, dass das Forschungsprojekt nicht auf eine bereitstehende Methodik zurückgreifen kann, sondern sich diese selbst zunächst erst innovativ erarbeiten muss. Die Logik geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschung ist dabei gänzlich anderer Natur als diejenige der Natur- und Sozialwissenschaften: Es gibt kein abstraktes methodisches Design, das sich auf beliebige Objekte umstandslos »applizieren« ließe. Dennoch lassen sich strukturelle methodische Muster ausmachen. Neuere kulturwissenschaftliche Ansätze zielen, wie Uwe Wirth resümiert, nicht mehr allein auf die Interpretation einzelner kultureller Zeichen, sondern zugleich auf die reflexive Rekonstruktion eines stets als variabel zu denkenden, kulturellen Bedeutungssystems. Zugleich verabschiedet die moderne kulturwissenschaftliche Forschung die Idee abgegrenzter und abgrenzbarer Wissensgebiete. Das kulturelle Wissen wird als eine sich immer wieder neu vernetzende Verknotung verschiedener Wissenssphären verstanden, die nur interdisziplinär angemessen analysiert werden kann (Wirth 2008: 51).

Das Forschungsprojekt über »Ästhetische Figurationen des Politischen« wird daher notwendigerweise radikal interdisziplinär arbeiten und literatur-, kultur-, politik- und medienwissenschaftliche, kunsthistorische und historische, philosophische, psychologische Fragestellungen berücksichtigen müssen. Das Verfahren der Interdisziplinarität muss allerdings im Projekt zugleich methodisch reflektiert werden. Nötig wird sein, zugleich den Kenntnisstand der beteiligten Teildisziplinen zu sichten und die Prämissen des jeweiligen methodischen Designs zu analysieren. Eindeutig zu betonen ist jedoch, dass ein empirischer Zugriff im sozialwissenschaftlichen Sinn – d.h. eine quantitative Auswertung eines wie auch immer erhobenen Datenmaterials – nicht angestrebt wird. Eine spezifisch kulturwissenschaftliche Herangehensweise wird ein methodisches Design benötigen, das die zu untersuchenden Relationen zwischen Diskursen und politischen Operationen in ihrer ganzen Komplexität und ihrer historischen Dimension analysierbar macht. Nötig wird zunächst eine Sichtung und Diskussion diskursanalytischer, institutionentheoretischer und ästhetischer Methoden, um – in kritischer Auseinandersetzung mit den genannten Entwürfen Kantorowicz’, Legendres und Andersons – eine überzeugende methodische Linie für das Projekt festzulegen. Dieses wird letztendlich versuchen, die genannten Ansätze zu vereinigen, dabei aber einen eindeutigen Schwerpunkt auf die Analyse ästhetischer Figurationen legen, d.h. eine Fokussierung auf politisch wirksame Gestaltungen ästhetischer Provenienz, wie sie Kantorowicz, Legendre und Anderson beschrieben haben. Die Leitthese des Forschungsprojekts ist, dass die Gestaltung auch noch der gegenwärtigen politischen Landschaft nicht ohne die Untersuchung dieser ästhetischen Figurationen verstanden werden kann.

Diese methodische Festlegung hat weitreichende Folgen für die zu untersuchenden Objekte. Untersuchungsgegenstand des Projekts sollen in erster Linie ästhetische Werke – literarische Werke, darstellende Kunst wie Gemälde, Skulpturen oder Photographien – sowie in zweiter Linie Diskurse – wie juristische Texte, aber auch Medien wie Tageszeitungen oder Fernsehsendungen – sein. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass ein strenger methodischer Zugriff die Arbeit des Projekts bündelt, so dass auch die diskurs- und medienanalytische Seite des Projekts auf die konkrete Frage ästhetischer Figurationen des Politischen fokussiert bleibt. Der historische Schwerpunkt des Forschungsprojekts liegt auf dem Zeitraum von 1950 bis zur Gegenwart,w wobei die historisch weiter ausgreifende Dimension der Thematik nicht ausgeblendet werden kann und zumindest für die Klärung methodischer Fragen berücksichtigt werden muss. Untersucht werden vor allem deutsch- französisch- und englischsprachige Texte aus Europa (und evtl. zu Vergleichszwecken auch aus Nordamerika).

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