Literaturwissenschaftlerin, Doktorandin

Universität Luxemburg

E-Mail: johanna.gelberg[at]rub.de

Johanna Maria Gelberg

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Vita

Seit 09/2012

Doktorandin an der Universität Luxemburg; Förderung durch den FNR, AFR-PhD Grant

Mitarbeit im ATTRACT-Projekt Ästhetische Figurationen des Politischen

Mitarbeit im Projekt IDENT 2 – Regionalisierungen als Identitätskonstruktionen in Grenzräumen

04/2012–09/2012

Wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt „inStudies“ an der Ruhr-Universität Bochum mit Lehrtätigkeit

12/2010–04/2012

Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Neugermanistik II, Ästhetik und literarische Medien an der Ruhr-Universität Bochum, Lehrtätigkeit an der Ruhr-Universität Bochum

2003–2010

Studium der Germanistik und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum, Abschluss Bachelor of Arts (2007) und Master of Arts (2010)

Publikationen

Rittlings auf der Mauer. Zur deutsch-deutschen Literatur der Grenze In: Dem Gedächtnis eine Erinnerung . Der Mauerfall von 1989 und seine Relevanz für kommende Generationen, hg. von Heiner Timmermann, Berlin 2016 (=Politik und moderne Geschichte 22.), S. 185–196.

Brüder und Schwestern! Geschwisterfiguren und Diskurse nationaler Teilung in der deutsch-deutschen Literatur In: Figurationen des Politischen. Bd. 1 : Die Phänomenalität der Politik in der Gegenwart, hg. von Martin Doll und Oliver Kohns, Paderborn 2016 (= Texte zur politischen Ästhetik 3), S. 133–164.

Die deutsch-deutsche Literatur der Zweistaatlichkeit. Zur Poetik der Grenze In: Tendenzen und Perspektiven der gegenwärtigen DDR-Literatur-Forschung, hg. von Katrin Max, Würzburg 2016. S. 359–363.

Zaungast der deutsch-deutschen Teilung: Arno Schmidts Prosastück Am Zaun als Teil der deutsch-deutschen Literatur der Grenze In: Zettelkasten. Aufsätze und Arbeiten zum Werk Arno Schmidts. Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser 31 (2015), S.143–160.

[zusammen mit Martin Doll] Einsetzung, Überschreitung und Ausdehnung von Grenzen In: Räume und Identitäten in Grenzregionen. Politiken – Medien – Subjekte, hg. von Christian Wille, Rachel Reckinger, Sonja Kmec und Markus Hesse. Bielefeld 2014, S. 15–23.

Über die Berliner Mauer. Zur Liminalität deutsch-deutscher Grenzliteratur am Beispiel von Peter Schneiders Mauerspringer und Uwe Johnsons Zwei Ansichten In: Le Passage/Der Übergang. Esthétique du discours, écritures, histoires et réceptions croisées/Diskursästhetik, Schreibverfahren, Perspektiven und Rezeptionen, hg. von Ingrid Lacheny, Henning Fauser und Bérénice Zunino, Bern 2014, S.89–102.

Vorträge

30. Oktober -1. November 2014 Teilnahme an der Deutschlandforschertagung 2014 in Weimar; Vortrag: „Leben mit der Mauer – Schreiben über die Mauer“

3.-5. Oktober 2014 Teilnahme an der 29. Jahrestagung der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser in Hamburg; Vortrag: „Zaungast der deutschen Teilung: Arno Schmidts Prosastück Am Zaun als Teil der deutsch-deutschen Literatur der Grenze“

28.-30. November 2013 Teilnahme an der Konferenz „Politische Tiere – Zoologische Imaginationen des Kollektiven“ in Frankfurt a.M.; Vortrag: „Da hat niemand geschossen. Auf die Kaninchen. Oryctolagus cuniculus auf der deutsch-deutschen Grenze“

23.-24.November 2012 Teilnahme am deutsch-französischen Forschungskolloquium „Le passage–Der Übergang/ Atelier GIRAF“ in Paris; Vortrag: „Berliner Mauer und Passage. Die deutsch-deutsche Grenzliteratur als Schwellenphänomen“

26.-28. September 2011 Teilnahme an der internationalen Tagung „Pseudoübersetzungen: Imaginationen anderssprachiger Originale“ an der Universität Innsbruck; Vortrag: „Arno Schmidts Gelehrtenrepublik. Fiktive Übersetzung und reale Abrechnung“

07. Februar 2011 Vortrag bei den Research Colloquiua der Ruhr-University Research School, Titel: „Thematik und Poetik der Grenze in der deutschen Literatur seit 1945“

22.-23. Oktober 2010 Teilnahme am Workshop „Laboratorium Mensch“ der Doktorandenschule der FSU Jena; Vortrag: „Arno Schmidts Berechnungen. Gehirnvorgänge und Bewusstseinstatsachen in der Literatur“

Dissertationsvorhaben Politik und Poetik der Grenze

erfolgreich verteidigt am 27.1.2017

Im Dissertationsprojekt wird das poetische Potenzial der Grenze untersucht, im Fokus steht die deutsch-deutsche Grenze und die Literatur zur Zeit der Zweistaatlichkeit. Die politische und kulturelle Bedeutung der Grenze geht über die Funktion als Demarkationslinie hinaus. Der Grenze ist die Paradoxie zu eigen, dass sie sowohl trennt als auch verbindet, sie kann Kontaktzone sein oder Austragungsort für Konflikte. Ob trennend oder verbindend – die Grenze etabliert Beziehungen. Darüber hinaus generiert die Grenze Geschichten. Als zeithistorische Herausforderung findet sie ihr Echo auch in der Literatur. In Ost und West entstanden viele Texte, die sich mit der Grenze aus­einandersetzen. Die Mauer wird darin sowohl festgeschrieben als auch durchlässig gehalten: In der Literatur konnte die Grenze überwunden werden. Die Fiktion der Durchlässigkeit wird vielfach literarisch gestaltet. In meinem Dissertationprojekt beschäftige ich mich mit der Gestaltung der Zwei­staatlichkeit in der Literatur: Wie kann die Grenze erzählt werden? Wie verändern sich das Erzählen und die literarischen Traditionen im Schatten der Mauer? Es ist auffällig, dass die Oszillation der Grenze erzählerisch aufgegriffen wird. Die deutsch-deutsche Grenze erscheint nicht nur als historischer Kontext, sondern wird zur literarischen Kategorie, die das Erzählen der Zweistaatlichkeit formt und neue literarische Möglichkeiten aufzeigt. Die Mauer wirft also nicht nur ihre Schatten in die Literatur sondern schreibt diese mit: Erzählkonventionen werden neu entwickelt und erzählerische Traditionen aktualisiert. Diese deutsch-deutsche Literatur der Grenze, die von der Mauer geprägt ist, stabilisiert diese Grenze einerseits durch ihre Literarisierung; als gesamtdeutsches Phänomen überwindet diese Literatur die Grenze aber auch. Das politische Potenzial der literarischen Ästhetik tritt so zu Tage. Das Bemühen um einen deutsch-deutschen Dialog wird von einer literarischen Ästhetik der Grenze begleitet. Die wissenschaftliche Positionierung auf der Grenze ermöglicht es dabei, die ost- und westdeutsche Literatur als Gemeinsames zu betrachten, ohne die jeweiligen Eigenheiten aus dem Blick zu verlieren. Die unterschiedlichen literarischen Diskurse werden zueinander in Beziehung gesetzt und miteinander in einen Dialog gebracht. Dieser Zugang über die deutsch-deutsche Literatur der Grenze bietet einen innovativen Blick auf die Literaturgeschichte der Zeit der politischen Teilung, der sich von der kontrastiven Terminologie entfernt.

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The PhD project focuses on borders as aesthetic figurations of political structures and arrangements. The broad political impact of borders is without doubt: The particular inner German border, especially the Berlin Wall, was the demarcation fo two German states – and clearly drew the frontline of the Cold War.

Still, there is something beyond the line: as international borders research reveals, borders tend to be Janus-faced. The epistemic complexity – and cultural fascination – of borders lies in their twofold potential to separate as well as to unite. Complexity and fascination are artistically transformed into literature. The interdependency of the aesthetic and the political sphere is to be analyzed in border literature.

European border literature and especially the German literature of the time of separation will be focused on. Of special interest are questions on the political and poetic potential of borders. How does the border as literary motif relate to political and social questions of separation and unification? How are difference and neighborhood created? The research on these aspects is integrated into the ATTRACT-project “Ästhetische Figurationen des Politischen” at the University of Luxemburg, that decidedly investigates the cultural interrelation between political and aesthetic contexts.

The interdependence of the political and the aesthetic sphere of cultural discourses can ideally be investigated by a close look at borders. Any act of drawing a geographical line is the constitution of a political entity. And drawing this line also means a challenge in cultural terms: cultural identity is questioned – and defined.

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